Feedback-Methode Redestein: Bei Gruppentreffen gibt es immer wieder Situationen, in denen es wichtig ist, die Stimmung und Meinung einer Gruppe mitzubekommen. Manchmal will man Feedback auf das Thema oder die Veranstaltung zu erhalten. Deshalb will ich Ihnen die sogenannte „Redestein-“ bzw. „Redestab-Methode“ vorstellen, die besonders gut geeignet ist, sich eine möglichst umfassende Meinung der Gesamtgruppe einzuholen, d. h. ein offenes Gespräch anzuregen, wie die Gruppe zu einem bestimmten Thema steht.
Wozu eignet sich diese Feedback-Methode?
Die Redestein- oder Redestab-Technik ist insbesondere auch für (einfache) kontroverse Themen sehr gut geeignet, da die Methode selbst vorsieht, dass immer nur ein Einzelner redet und die anderen zuhören. So sinkt die Wahrscheinlichkeit von unschönen Unterbrechungen wie z. B. „dem Anderen ins Wort fallen“ oder „unkontrollierte Wortgefechte“. Man gewährleistet, dass alle Meinungen angemessen Gehör finden.

Wenn Sie diese Methode der Gruppe mit Spaß und guter Laune vorstellen, kann das Feedback sehr ergiebig sein. Nicht selten habe ich damit ein sehr umfassendes und detailliertes Feedback von den Teilnehmern bekommen. Doch genug der Vorrede – kommen wir nun zur Beschreibung der Technik dieser Feedback-Methode.
Wie wird die Redestein-Methode angewendet?
Die Gruppe setzt sich in einem Kreis zusammen, sodass jeder die anderen gut sehen und hören kann. Der Gesprächsleiter gibt ein Thema oder eine Frage bekannt, zu der er Feedback bzw. die Meinung der Gruppe erfahren will. Dann erklärt er die Regeln der Redestein- bzw. der Redestab-Methode.
Regeln der Redestein-Methode
- Es wird ein Stein oder Stab in die Mitte des Kreises der Gesprächsteilnehmer gelegt.
- Sobald sich jemand zu dem Thema äußern will, kann er den Stein oder Stab nehmen und seine Meinung / Feedback äußern.
- Alle anderen hören nur zu, d. h., es dürfen keine Fragen gestellt, keine Einwände vorgebracht oder sonstige Unterbrechungen gemacht werden, bis der Redner fertig ist bzw. den Stein wieder in die Mitte zurückgelegt hat.
- Die Feedback-Runde dauert so lange, bis keiner mehr den Stein (Stab) nehmen will und alles gesagt ist.
Teilnehmer wählen Sprecher aus
- Der Sprecher kann am Ende seiner Rede den Stein an eine Person seiner Wahl weitergeben.
Hier kann man als Gesprächsleiter die Gesprächsdynamik in einer Gruppe sehr gut sichtbar machen. Bei inhaltlichen Feedbacks kann ein Redner beispielsweise seine Sympathie zu anderen Personen kundtun oder dafür sorgen, dass auch Meinungen bekannt werden, die nicht dem „Mainstream“ entsprechen (d. h. beispielsweise neue Perspektiven einbringen, die bislang nicht kommuniziert wurden).
Bei kontroversen Themen sieht man beispielsweise recht schnell, wer welche Meinung hat – wer wen unterstützt. Sind Spannungen in der Gruppe erkennbar, kann man damit prüfen, ob ein scheinbares „Gruppenproblem“ eine „Einzelmeinung“ ist oder die Kritik von mehreren Teilnehmern geteilt wird.
Feedback von allen Teilnehmern einholen
- Der Redestein wird im (oder gegen) den Uhrzeigersinn an den jeweils nächsten weitergereicht.
Diese Abwandlung kann sinnvoll sein, wenn man befürchtet, dass nicht jeder zu Wort kommt, die Zeit knapp ist oder sich mehrere Teilnehmer evtl. nicht trauen vor der Gruppe das Wort zu ergreifen. Immerhin kostet es mehr „Mut“ den Redestein aktiv zu nehmen, als ihn „sich geben zu lassen“ und damit „automatisch an die Reihe zu kommen“.
Wenn Sie sich als Gesprächsleiter nun überlegen, welche Version dieser Technik Sie vorschlagen wollen, bedenken Sie, dass dieser Austausch zwischen den Teilnehmer primär Spaß machen soll. Denn je mehr Spaß die Teilnehmer an dieser Technik haben, desto lebendiger wird der Austausch.
Nach meinen Erfahrungen kann man aber nicht allzu viel falsch machen, denn es ist letztlich für jeden eine gute Möglichkeit, seine Meinung zu äußern und damit insgesamt möglichst viele Perspektiven aller Teilnehmer kennenzulernen.
Vorteile der Redestein-Methode
Förderung eines respektvollen Austauschs
Ein wesentlicher Vorteil der Methode „Redestein“ ist die Förderung eines respektvollen Austausches innerhalb der Gruppe. Da bei dieser Methode immer nur derjenige spricht, der den Redestein oder Redestab in der Hand hält, wird die Gefahr von Unterbrechungen oder störenden Zwischenrufen minimiert. Es entsteht eine Atmosphäre, in der sich alle Teilnehmer darauf konzentrieren können, dem aktuellen Sprecher zuzuhören und seine Meinung zu respektieren.
Das bewusste Zuhören wird gefördert und die Teilnehmer lernen, die Perspektiven der anderen wertzuschätzen, ohne sofort ihre eigenen Ansichten einbringen zu müssen. Dieser respektvolle Umgang miteinander ist besonders in Gruppen wichtig, in denen es häufig zu hitzigen Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten kommt.
Gleichberechtigte Meinungsäußerung
Ein weiterer Vorteil des Redesteins ist die Möglichkeit, eine gleichberechtigte Meinungsäußerung zu gewährleisten. In vielen Gruppendiskussionen besteht die Gefahr, dass dominante Persönlichkeiten die Diskussion beherrschen und weniger durchsetzungsfähige Teilnehmer nicht zu Wort kommen.
Mit dem Redestein hat jeder die gleiche Chance, seine Meinung zu äußern, da nur derjenige spricht, der den Stein oder Stab in der Hand hält. So können auch leise oder introvertierte Personen ihre Gedanken äußern, ohne von lauteren Stimmen übertönt zu werden. Die Struktur der Methode stellt sicher, dass alle Stimmen gehört werden.
Geeignet für sensible oder kontroverse Themen
Die Redesteinmethode eignet sich besonders für Diskussionen über sensible oder kontroverse Themen. In solchen Situationen kann es leicht zu emotionalen Reaktionen oder hitzigen Debatten kommen, bei denen die Gefahr besteht, dass die Diskussion aus dem Ruder läuft.
Die klare Regel, dass nur derjenige spricht, der den Redestein hält, hilft, die Diskussion zu strukturieren und auf einem konstruktiven Niveau zu halten. Die Teilnehmer können ihre Gedanken und Gefühle äußern, ohne sofort mit Gegenargumenten oder Einwänden konfrontiert zu werden. Dies fördert eine tiefere Reflexion und ermöglicht es der Gruppe, auch heikle Themen in einer respektvollen und geordneten Weise zu diskutieren.
Herausforderungen der Redestein-Methode
Zeitaufwand und Geduld
Die Redestein-Methode kann aufgrund ihres strukturierten Ablaufs mehr Zeit in Anspruch nehmen. Da jeder Teilnehmer die Möglichkeit hat, in Ruhe und ohne Unterbrechung zu sprechen, können die Diskussionen deutlich länger dauern als bei anderen Feedback-Methoden. Dies erfordert von allen Beteiligten Geduld, insbesondere wenn die Gruppe groß ist oder viele unterschiedliche Meinungen und Perspektiven eingebracht werden.
Überlegen Sie daher im Vorfeld, ob die Gruppengröße und das Thema für diese Art des Feedbacks geeignet sind.
Risiko von Dominanz einzelner Teilnehmer
Obwohl die Redesteinmethode darauf abzielt, eine gleichberechtigte Meinungsäußerung zu ermöglichen, besteht die Gefahr, dass einzelne Teilnehmer die Diskussion dominieren. Ein Teilnehmer, der den Stein oder Stab in der Hand hält, könnte die Gelegenheit nutzen, um lange und ausführlich zu sprechen, sodass den anderen Teilnehmern weniger Zeit bleibt.
Es liegt daher in der Verantwortung des Diskussionsleiters, solche Situationen zu erkennen und gegebenenfalls einzugreifen, um die Redezeit gleichmäßig zu verteilen.
Schwierigkeit für introvertierte Teilnehmer
Schüchterne Teilnehmer könnten Schwierigkeiten haben, sich aktiv an der Redesteinmethode zu beteiligen. Da man bei dieser Methode den Stein oder Stock selbst in die Hand nehmen muss, um zu sprechen, könnte es für weniger durchsetzungsfähige Personen eine Hürde darstellen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Sie könnten zögern, den Redestein zu nehmen, weil sie befürchten, im Mittelpunkt zu stehen oder von der Gruppe bewertet zu werden.
Der Diskussionsleiter muss daher sensibel mit solchen Teilnehmern umgehen – Ihnen die Möglichkeit verschaffen sich sicher zu fühlen oder auch erlauben sich nicht zu äußern.
Probleme durch Machtverhältnisse
Auch die soziale Dynamik innerhalb der Gruppe kann die Methode beeinflussen. In Gruppen mit starken Hierarchien oder ungleich verteilten Machtverhältnissen kann die Methode nicht die gewünschte Offenheit und Gleichberechtigung fördern.
Die Teilnehmer könnten sich durch die Anwesenheit von Vorgesetzten oder dominanten Persönlichkeiten gehemmt fühlen und zögern, ihre ehrliche Meinung zu äußern. Es kann auch vorkommen, dass der Redestein bewusst an bestimmte Personen weitergegeben wird, um die Gruppendynamik zu beeinflussen, was die Unabhängigkeit der Methode beeinträchtigen kann.
Es ist daher wichtig, diese Dynamiken zu erkennen und gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um eine offene und faire Diskussion zu gewährleisten.
Diese Nachteile und Herausforderungen zeigen, dass die Redesteinmethode zwar viele Vorteile bietet, aber auch mit Vorsicht eingesetzt werden sollte.
Praktische Tipps für den Einsatz der Redestein-Methode
Auswahl des richtigen Gegenstands (Stein oder Stab)
Die Wahl des richtigen Gegenstands, der als Redestein oder -stab fungiert, ist wichtig für den Erfolg der Methode. Der Gegenstand sollte symbolisch und funktional sein.
Ein Stein symbolisiert Beständigkeit und Natürlichkeit, während ein Stab eher für Führung und Weisung steht. Es kann auch sinnvoll sein, einen Gegenstand zu wählen, der thematisch zur Gruppe oder zum Thema passt, um eine zusätzliche Verbindung herzustellen.

Wichtig ist, dass der Gegenstand leicht zu handhaben ist und für alle Teilnehmer sichtbar und greifbar ist. Zudem sollte er neutral und frei von Assoziationen sein, die den Austausch beeinflussen könnten. Wenn beispielsweise ein bestimmter Gegenstand für einige Teilnehmer eine starke emotionale Bedeutung hat, könnte dies ihre Beiträge ungewollt beeinflussen.
Umgang mit Schweigen oder Unsicherheit
In manchen Gruppen kann es vorkommen, dass nach einer Äußerung eine längere Stille eintritt oder Unsicherheit darüber herrscht, wer als Nächstes spricht. Diese Pausen können unangenehm sein, sind aber nicht unbedingt negativ.
Schweigen kann Raum für Reflexion schaffen und den Teilnehmern Zeit geben, über das Gehörte nachzudenken. Als Moderator ist es wichtig, diese Momente zu akzeptieren und nicht sofort zu füllen. Wenn die Unsicherheit zu groß wird, kann der Moderator die Gruppe ermutigen, indem er offen fragt, ob jemand seine Gedanken mitteilen möchte, oder indem er den Stein oder Stock vorsichtig an einen Teilnehmer weitergibt, den er einbeziehen möchte.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Stille als Gelegenheit zu nutzen, um die Gruppe zu einem kurzen Innehalten oder zu einer kleinen Reflexionsübung einzuladen.
Anpassungen für verschiedene Gruppengrößen
Die Redestein-Methode kann sowohl in kleinen als auch in großen Gruppen effektiv eingesetzt werden, erfordert jedoch unterschiedliche Anpassungen.
In kleinen Gruppen bietet sich die Methode in ihrer klassischen Form an, bei der der Stein oder Stab nach Belieben genommen und zurückgelegt wird.
In größeren Gruppen kann es jedoch sinnvoll sein, die Methode zu strukturieren, beispielsweise durch die Regel, dass der Gegenstand in einer bestimmten Reihenfolge weitergegeben wird.
Alternativ kann die Gruppe in kleinere Untergruppen aufgeteilt werden, die die Methode parallel anwenden. Dies ermöglicht es jedem, zu Wort zu kommen, ohne dass die Diskussion zu lange dauert.
Ein weiteres Hilfsmittel kann ein Zeitlimit für jeden Redebeitrag sein, um sicherzustellen, dass alle Teilnehmer die Möglichkeit haben, sich zu äußern.
Umgang mit Zeitbeschränkungen
Bei der Planung einer Sitzung mit der Redesteinmethode ist es wichtig, die zur Verfügung stehende Zeit im Auge zu behalten. Da die Methode zeitintensiv sein kann, sollte von Anfang an klar kommuniziert werden, wie viel Zeit zur Verfügung steht.
Der Moderator kann die Diskussion straffen, indem er Zeitlimits für die einzelnen Beiträge festlegt oder das Thema bei Bedarf gezielt an Teilnehmer weitergibt, die sich noch nicht zu Wort gemeldet haben.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Gruppe darauf vorzubereiten, dass nicht jeder Punkt ausführlich diskutiert werden kann, und sich stattdessen auf die wichtigsten Themen zu konzentrieren.
Wenn die Zeit sehr knapp ist, kann auch eine „Blitzlichtrunde“ eingebaut werden, bei der jeder Teilnehmer in wenigen Sätzen seine Meinung äußert, bevor der nächste an der Reihe ist.
Mit diesen praktischen Tipps lässt sich die Methode Redestein effektiv und flexibel an die Bedürfnisse und Gegebenheiten der Gruppe anpassen. Durch die sorgfältige Auswahl des Themas, den sensiblen Umgang mit Schweigen oder Unsicherheiten sowie die Anpassung an unterschiedliche Gruppengrößen und Zeitvorgaben kann der Moderator sicherstellen, dass die Methode ihr volles Potenzial entfaltet.
So wird sichergestellt, dass alle Teilnehmer die Möglichkeit haben, ihre Meinungen und Perspektiven einzubringen und dass die Diskussion strukturiert und respektvoll verläuft.
Viel Spaß beim Experimentieren mit der „Redestein-Methode“!